Home
Phaleristik
Romane
Galerie
Dies & Das
 
Das Braunschweiger Militär Verdienstkreuz 1914

Es war vor 1918 üblich, das Offiziere und Adelige andere Orden und Ehrenzeichen bekamen, als Unteroffiziere oder Mannschaften. Während für die ersteren die emaillierten und prächtigen Ordenskreuze vorgesehen waren, bekam das einfache Volk und die unteren Dienstgrade nur die affilierten Verdienstkreuze und Ehrenmedaillen zu den dazugehörigen Orden.

Im Herzogtum Braunschweig wurden am 12. September 1870 die Schwerter zum Orden Heinrich des Löwen gestiftet. Allerdings konnte diese Auszeichnung nur an Offiziere vergeben werden, was zu Unmut in den Unteroffiziers- und Mannschaftskreisen führte. Kriegerverbände fragten immer wieder beim regierenden Herzog Wilhelm an, ob es nicht auch eine entsprechende Stiftung für Unteroffiziere und Mannschaften geben könne. Neun Jahre später wurden dann am 11. Dezember 1879 die Schwerter auch zu den Verdienstkreuzen des Ordens Heinrich des Löwen gestiftet. Diese Stiftung orientierte sich an der Preußischen Klassifizierung und Vergabepraxis der Militär Ehrenzeichen und des Militärverdienstkreuzes. Das Verdienstkreuz 2. Klasse des Ordens Heinrich des Löwen mit Schwertern wurde dem Preußischen Militär Ehrenzeichen 2. Klasse, das Verdienstkreuz 1. Klasse des Ordens Heinrich des Löwen mit Schwertern dem Preußischen Militär Ehrenzeichen 1 Klasse gleichgestellt. Die Verleihungsgründe für die Braunschweiger Auszeichnung sollte sich an den Maßgaben für preußische Verleihungen orientieren. Nun gab es in Preußen seit 1864 allerdings noch das Goldene Militär Verdienst Kreuz, den sogenannten Pour le Merité für Unteroffiziere und Mannschaften. Um dieser Auszeichnung etwas gleichwertiges entgegen zu setzen wurde in Paragraph 2 der Stiftungsurkunde vom 11. Dezember 1879 das Braunschweiger Kriegs Verdienst Kreuz gestiftet. Es war ebenfalls dem Orden Heinrich des Löwen affiliert und sollte für erhöhte nochmalige und besonders tapfere Taten verliehen werden. Das Kreuz sollte am Band des Ordens Heinrich des Löwen also ein rotes Band mit gelben Seitenstreifen auf der rechten Brust getragen werden. Verleihungen fanden nicht statt. Am 25. April 1908 erfolgte die Aufhebung der Verordnung zum Kriegs Verdienst Kreuz, die Schwerter zum Verdienstkreuz wurden allerdings weiterhin verliehen.

Am 1. November 1913 bestieg Herzog Ernst August den Welfenthron in Braunschweig, möglich geworden durch seine Heirat mit der einzigen Tochter von Kaiser Wilhelm II. Nach Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Stiftung des Militär Verdienstkreuz auf Bestreben Herzog Ernst August wieder belebt. Der Herzog musste sich im Zuge der allgemeinen Mobilmachung zum X. Armeekorps begeben und ernannte am 31. Juli 1914 seine Ehrefrau Viktoria Luise im Falle seiner Abwesenheit oder des Krieges zu seiner Stellvertreterin. Am 6. August übernahm Herzogin Viktoria Luise die Regentschaft über das Herzogtum Braunschweig. Herzog Ernst August war als Meldeoffizier des X. Armeekorps bei General von Emmich eingesetzt und mit nach Frankreich und Belgien einmarschiert. Seine Aufgabe bestand darin die Verbindung zum A.O.K. des Generaloberst von Bülow zu halten. Am 18.August 1914 erging folgende Verordnung über das Herzogliche Kriegs Verdienstkreuz:

"Von Gottes Gnaden, Wir, Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg usw., verordnen: Das von des hochseligen Herzogs Wilhelm Hoheit am 11. Dezember 1879 gestiftete Militär Verdienstkreuz (Gesetz- und Verordnungssammlung von 1879 Nr. 74) trägt auf der Rückseite den Namenszug E. A. mit der Krone. Das Ordenzeichen und das Band bleiben im übrigen unverändert." Die Verordnung trägt die Unterschrift der Herzogin Viktoria Luise. Es gab in dieser Angelegenheit einen Briefwechsel zwischen dem Königlich Preußischen Kriegsministerium und dem Herzoglich Braunschweig Lüneburgischen Staatsministerium bis November 1915. Die Stiftung warf in Preußen einige Fragen auf.

Entgegen der Verordnung änderte sich die Ordensform von einem Tatzenkreuz zu einem Malteserkreuz. Das Kreuz besteht aus vergoldetem Silber und wurde vom damaligen Hofjuwelier Hermann Jürgens hergestellt. Der Braunschweiger Ordenskanzler berichtet im Oktober 1914 von 25 hergestellten Exemplaren. Danach wurden keine Zahlen mehr veröffentlicht. Verleihungen konnten bisher nicht nachgewiesen werden und es ist zweifelhaft, ob überhaupt Exemplare verliehen wurden, da Verleihungen des Goldenen Militär Verdienst Kreuzes von Preußen auch an Braunschweiger Soldaten vorgekommen sind, die eigentlich ja das Braunschweiger Ehrenzeichen bekommen hätten müssen, wenn dieses verliehen worden wäre.

Aversseite: Die glatten Arme des Malteserkreuzes sind mit erhabenen Doppellinien eingefasst. Im Zentrum befindet sich ein aufgelötetes Medaillon und auf gekörntem Grund die zweizeilige Inschrift Kriegs - Verdienst. Unter der Schrift zwei übereinander gelegte Lorbeerzweige.



Reversseite: Das Kreuz entspricht der Aversseite, jedoch trägt das Medaillon die ineinander verschlungenen Initialen EA des Herzogs Ernst August und darüber eine Herzogskrone.

   
Impressum