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Literatur

Hier könnt Ihr die Kurzfassung von Büchern lesen, die ich selber gelesen habe und die ich für empfehlenswert bzw. lesenswert halte. Das sind meistens Fachbücher über Politik, Geschichte, Wirtschaft oder auch Physik und Naturwissenschaften.

Wie immer ist auch hier Euer Feedback erwünscht.

Olivier Roy: Der islamische Weg nach Westen
Max Otte: Der Crash kommt
Lena Einhorn: Das Rätsel von Damaskus
Al Gore: Angriff auf die Vernunft
Eric-Emmanuel Schmitt: Adolf H. Zwei Leben
Amartya Sen: Die Identitätsfalle
Lisa Randall: Verborgene Universen


Eric-Emmanuel Schmitt: Adolf H. Zwei Leben

„Adolf Hitler: durchgefallen“ mit diesem Satz beginnt Eric-Emmanuel Schmitt seinen philosophisch angehauchten Roman. Er beschreibt auf der einen Seite den Werdegang Hitlers zum größten Massenmörder der Geschichte und stellt der historischen Person eine Alternativpersönlichkeit gegenüber, getreu dem Motto, was wäre geschehen, wenn die Wiener Kunstakademie den jungen Hitler als Kunststudenten aufgenommen hätte. „Adolf H.: bestanden“ ist der Satz, an den sich der Lebensweg der imaginären Person Adolf H. von der realen Vita Hitlers trennt. Zur besseren Unterscheidung zieht der Autor diese Schreibweise durch seinen gesamten Roman durch. Die historische Person nennt er Hitler, die imaginäre Adolf H. Während der historische Lebensweg weitestgehend bekannt, jedoch sehr spannend und mit interessanten Einsichten gespickt ist, entwickelt sich der alternative Lebensweg Adolf H’s sehr mitfühlend und man leidet beim Tod der ersten Frau des Kunstmalers Adolf H. mit und freut sich auf der anderen Seite über seinen Erfolg. Wobei der Autor mit Hilfe der dichterischen Freiheit es sich nicht nehmen lässt literarische Rache an der realen Person zu üben, indem er den jungen Adolf H bei Freud sich auf die Liege legen lässt, damit dieser ihn heilen kann. Darüber hinaus stellt er ihm eine Frau mit dem Spitznamen Elf Uhr Dreißig und als zweite Ehefrau eine Deutschjüdin zur Seite, deren Vater den Traum eines zionistischen Israels in Palästina träumt und den Schwiegersohn verachtet, weil dieser nur Deutscher und kein Jude ist. Am Ende gleicht der virtuelle Adolf H. in nichts mehr der realen Person Hitlers, obwohl zum Anfang der Geschichte, beider Personen die selben Wesenszüge tragen. Adolf H ist menschlich und sympathisch, Hitler bis zum Schluss die Bestie, die alle Schuld nie bei sich, sondern immer nur bei anderen sieht. Gewiss kann sich eine Debatte darüber entzünden, ob die Gründe, die Schmitt für die Bösartigkeit Hitlers angibt ausreichen, um ihn annährend zu verstehen, aber ich persönlich halte manche seiner Ansätze für nachdenkenswert.

Schmitt spielt allerdings nicht nur mit der alternativen Geschichte, nein in meinen Augen sind zwei Botschaften von zentraler Bedeutung. Die erste und sehr erschreckende Botschaft lautet, dass der reale Hitler trotz aller Boshaftigkeit und perverser menschenverachtender Überzeugung ein Mensch war, und dadurch nichts anderes als alle anderen Menschen auch. Hitler fiel nicht von einem anderen Stern auf die Erde, er war Mensch nur ohne die positiven, menschlichen Seiten des Menschseins. Weitergedacht bedeutet das, dass ein kleiner Hitler in jedem von uns steckt und wir uns daran erinnern müssen, dass das Böse immer aus jedem von uns hervorbrechen kann, wenn wir unsere Menschlichkeit und unser Mitgefühl anderen gegenüber vergessen. Die zweite Botschaft ist wesentlich tröstlicher, sie besagt, dass der Mensch immer die Wahl hat sich zwischen dem Guten und dem Bösen zu entscheiden. Indem der Mensch immer Alternativen hat, ist er für seinen Weg und sein Handeln am Ende immer selbst verantwortlich. Nur man selber macht sich zu dem, was man ist.

Ich habe diese Buch in weniger als 15 Stunden durchgelesen und sage nur: Absolut empfehlenswert

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Amartya Sen: Die Identitätsfalle

In Zeiten, in denen viele nur noch über das trennende und über Konflikte zwischen Moslems und der westlichen Welt reden, warnt der Nobelpreisträger Amartya Sen eindringlich vor dem Zuschnappen dieser Identitätsfalle. Für ihn völlig unverständlich und sträflich vereinfacht ist, das Menschen nur anhand eines Kriteriums, wie zum Beispiel ihrer Religion, beurteilt und in ein vorgefertigtes Schema gepresst werden. Als würden alle Moslems das gleiche denken und nicht auch andere Identitätsmerkmale haben, die ihre Meinung und ihre Weltsicht beeinflussen. Stellen Sie sich vor, sie werden nur auf Grund der Tatsache, dass ihr Nachbar, der im selben Haus wie Sie wohnt, ein Betrüger ist auch zum Betrüger abgestempelt. Die verbindende Identität wäre die gleiche Adresse. Jeder würde hier sofort einsehen, dass das völliger Unsinn ist. Der Autor argumentiert auf ähnliche Weise und fragt, wie eine wirkliche Identität aussieht. Man ist Mensch, Mann oder Frau, alt oder jung, politisch demokratisch oder autoritär eingestellt, Hobbytaucher, freiwilliger Feuerwehrmann, Sportkanone oder bekennender Couchgenießer. Jede dieser Eigenschaften führt zu Interessen und Einstellungen, die den anderen zuwider laufen kann. Also ist eine Person immer ein Gemenge aus vielen Interessen und Identitätsmerkmalen. Eine Vereinfachung auf nur eine Eigenschaft führt dazu, dass die Menschlichkeit verloren geht und man die „anderen“ nicht mehr als menschlich ansieht und so Hass und Gewalt sich ihren Weg bahnen können.

Billigt man den Menschen jedoch die Vielfalt aller möglichen Wahlfreiheiten und Identitäten zu, so ist der logische Schluss daraus, das Feindbilder nicht entstehen können. Es wird immer Gemeinsamkeiten geben auf den man aufbauen kann und friedvoll und mit Respekt vor den anderen umgeht. Man muss sich nur klar machen, dass einfache Lösungen meistens nur einfach aber keine Lösung sind.

Ein erfrischendes Buch, dass den im Westen so häufig diskutierten Kampf der Kulturen absagt und ein friedvolles Miteinander propagiert.

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Lisa Randall: Verborgene Universen

Um es kurz zu machen, wer es in der Schule nicht erwarten konnte, den Physikunterricht in der Oberstufe abzuwählen, der wird mit diesem Buch keine Freude haben. Wer aber noch in kindliches Staunen über die Welt geraten kann und Interesse an modernster theoretischer Physik hat, der findet in diesem Buch wunderbar die neusten sich durchaus widersprechende Theorien. Neben der Allgemeinen Relativitätstheorie, welche die Gravitation durch die Krümmung der Raumzeit erklärt, wird auch die Quantenmechanik, also die Theorie nach der alle Materie aus Elementarteilchen (mit denen Wellenfunktionen assoziiert sind) besteht, sowie die Quantenfeldtheorie nach der sich Feldfluktuationen selbst in Teilchen (virtuelle oder reelle) manifestieren , kurz abgehandelt, bevor es dann ernst wird. Die Autorin betritt das Reich der Stringtheorie.

Wer schon bei der bei der Quanten- bzw. der Quantenfeldtheorie aus dem Staunen nicht mehr heraus kam, dem wird hier vollends klargemacht, dass Physiker keine trockene und langweilige Leute sind, sondern mit extrem viel Phantasie ausgestattet sind. Strings sind kurzgesagt extrem dünne Fäden, die entweder unendlich lang sein können, extrem winzig oder in sich selbst geschlossen auftreten. Eine Theorie besagt nun, dass alle Teilchen, wie wir sie kennen aus der Schwingung der String resultieren, also ein String oszilliert und es entsteht ein Elektron etc. Problematisch sind die Schwingungen, die Teilchen hervorbringen, die man noch nicht nachgewiesen hat. Und als wäre das noch nicht verrückt genug, soll es auch noch Branen geben. Wenn Strings Fäden sind, dann sind Branen so etwas wie Bettlaken, die fest gespannt oder auch schlaf sein können. Diese Branen können dreidimensional sein oder noch weit mehr Dimensionen haben. Auf die Branen können dann theoretisch die uns bekannten Kräfte (elektromagnetische, starke Wechselwirkung und schwache Wechselwirkung) beschränkt sein, während die Gravitation sich auch in höhere Dimensionen ausbreiten kann.

N-Dimensionalität ist anscheinend ein gerade beliebtes Thema bei den Physikern. Das n bei einer Dimension gibt an, wie viel Richtungsgrößen man braucht, um die Position eines Objektes in diesem n-dimensionalen Raum genau zu beschreiben. Das wir uns keinen 5 oder 6 dimensionalen Raum vorstellen können, besagt in diesem Zusammenhang nichts. Anhand der Methodik des Dualismus rechnen Physiker öfter in höher dimensionalen Räumen, da die Mathematik hier einfacher wird. Physiker sprechen unter anderem von aufgerollten Dimensionen, die dann in unseren täglichen Weltbild keine realen Auswirkungen mehr haben.

Die Autorin befasst sich mehrere Kapitel mit dem sogenannten Hierachieproblem: Warum ist die Gravitation so viel schwächer als alle anderen Kräfte. Lassen sie eine Eisenkugel los wird sie durch die Gravitation auf die Erde hin beschleunigt (die ganze Erdmasse zieht an der Kugel) Bringen sie nun einen Magneten in die Flugbahn, kann die gesamte Erdmasse nicht die Magnetkraft aufheben. Das ist wirklich sehr erstaunlich, wenn man die Erdmasse mit der Masse des Magneten vergleicht. Physiker haben sich bisher mit einer sogenannten Feinabstimmung beholfen, was allerdings so unwahrscheinlich ist, wie die Wahrscheinlichkeit mit einem 10seitigen Würfel eine 23stellige Zahl mit nur einem Versuch richtig zu erwürfeln. Diese Problematik lässt sich in n- dimensionalen Räumen umgehen, wobei die Zusatzdimensionen auch wie beschrieben aufgerollt oder unendlich sein können.

Es werden viele Teilchen vorgestellt, von denen ich zuvor noch nie gehört habe, das Higgsteilchen, das an der Übermittlung der Gravitationswirkung beteiligt ist, das Gaugino, das (S)Elektron (einen theoretischen Superpartner des Elektrons in einem Supersymmetrischen System) und viele weitere. Beruhigend an den ganzen wilden Theorien ist, das es Auswirkungen in unserer Welt geben muss, die man nachweisen kann und damit die Theorie überprüfen kann. So werden in Kürze Ergebnisse durch den neuen Teilchenbeschleuniger LHL der durch CERN betrieben wird, erwartet. Fragt man sich jetzt, was dem Ottonormalbürger diese ganze Theorie nutzen soll, so lassen Sie sich vergewissern, das ohne die Erkenntnisse und die Berücksichtigung der Allgemeinen Relativitätstheorie Ihr Navigationssystem sich jeden Tag um 10 Kilometer in der Genauigkeit verschlechtern würde!! Ihr Ferrari oder mein BMW mögen nicht schnell genug sein, um eine relativistische Berechnung zu rechtfertigen, aber Ihr GPS Signal ist es. So kann man gespannt sein, was für technische Errungenschaften sich aus diesen Theorien entwickeln. Wer also sich in die spannenden und durchaus märchenhaften Theorien und Phänomenen a la Alice im Wunderland begeben möchte, der wird mit diesem Buch seine helle Freude haben.




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