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Hier könnt Ihr die Kurzfassung von
Büchern lesen, die ich selber gelesen habe und die ich
für empfehlenswert bzw. lesenswert halte. Das sind meistens
Fachbücher über Politik, Geschichte, Wirtschaft oder
auch Physik und Naturwissenschaften.
Wie immer ist auch hier Euer Feedback erwünscht.
Olivier
Roy: Der islamische Weg nach Westen
Ein auf den ersten Blick sehr provozierender Titel, ein Titel den ich
zuerst einmal als unmöglich abgelehnt habe. Der Islam auf den
Weg nach Westen? Islam und westliche Werte passen nach
landläufiger Meinung in ihrem Erscheinungsbild nun so gar
nicht zusammen. Und genau darin liegt schon der erste Fehler, wie
Olivier Roy sehr überzeugend darstellt. Er beweist, das wir
falsch liegen, wenn wir im Westen annehmen, dass Demokratie und die
Trennung der Religion vom Staat immer in ein Gesellschaftsmodell wie
das unsrige führt. Laut dem Autor ist bei uns die
Modernisierung und die Demokratie durch einen Wechsel vom Kollektiv zum
Individuum getragen wurden, in den islamischen Ländern kann es
aber ganz anders laufen, da kann die Individualisierung des Glaubens
auch zum Fundamentalismus führen, als weiteres Beispiel
hierfür nennt er hier die amerikanischen Protestanten und
Freikirchen. Man mag das jetzt leichtfertig als französisch
gefärbten Antiamerikanismus abtun, ich hingegen finde, das
dieser Gedanke lohnt verfolgt zu werden.
Roy sieht viele Parallelen zwischen konservativ christlichen Werten und
Forderungen von Imamen, die im Westen wirken. Wenn ein solcher Imam die
Scheidung verurteilt, dann ist das eher westlich als islamisch
geprägt und ruht nicht mehr auf dem Konzept der Scharia, wo
die Scheidung auf Antrag des Ehemanns eine der traditionellen
Säulen dieses Konzepts darstellt. Roy stellt fest, dass der
Neofundamentalismus den Islam an moderne Individualisierungsmodelle und
den freien Markt anpasst. Indem er vorgibt, jeden kulturellen Kontext
zu ignorieren, und einen Verhaltenskodex zur Verfügung stellt,
der in jedem Teil der Welt auf ähnliche Weise funktioniert,
ist er ein perfektes Werkzeug der Globalisierung. Roy
beschäftigt sich auch mit den Wurzeln des islamistischen
Terrornetzwerkes, der Al Qaida.
Seiner Meinung nach sind die Terroristen entwurzelte Pessimisten, die
wissen, das die sogenannten islamischen Staaten nicht ihrem Idealbild
entsprechen. Ihr Kampf dient nicht mehr der Verteidigung eines
Territoriums, sondern der Erschaffung einer neuen globalen und
virtuellen Umma. Der Kampf ist jetzt eher eine spirituelle Reise, ja er
ist der ultimative Beweis des reformierten Selbst. Als Beispiel
führt Roy Mohammed Atta auf, der in seinem Testament
festlegte, das er nicht auf die traditionelle Art beigesetzt werden
wollte. Die Neofundamentalisten werden durch ihre Sorge um die Reinheit
des Islams gezwungen das reale Leben, die bestehende Politik und die
sie umgebenden Gesellschaften zu ignorieren. Die Religion wird
objektiviert, als geschlossenes und ausdrückliches Set von
Normen und Werten betrachtet, welches völlig
losgelöst ist von der sie umgebenden und gelebten Kultur.
Säkularisierung bedeutet also keinesfalls das Ende der
Religion sonder nur das sich die Religion von den anderen
Sphären des gesellschaftlichen Lebens trennt. Somit
begünstigen die Neofundamentalisten die Trennung von Religion
und Staat und damit sind sie auf dem Weg in den Westen.
Ein anspruchsvolles Buch, das einem die Augen öffnet und auch
über das Wirkungsbild unserer eigenen Kultur im Rest der Welt
reflektieren hilft. Unbedingt lesenswert!
top
Max
Otte: Der Crash kommt
Das Buch gliedert sich in zwei Teile, im ersten beleuchtet der Autor
warum wir auf einen Crash zulaufen und im zweiten Teil gibt er
Ratschläge für den eigenen finanziellen Rettungsring.
Prof Dr. Max Otte belegt in seinem Buch, das die Weltwirtschaft
"zwangsläufig" auf eine neue Weltwirtschaftskrise zusteuert.
Er sagt, dass sie nicht vermieden werden kann und uns
spätestens in 3 Jahren voll erwischt.
Sein wohl wichtigstes Argument ist, das der Vermehrung von
Geldvermögen keine Äquivalent beim
Realvermögen entgegen steht. Das auf Pump kaufen, finanzieren
und konsumieren kann nur so lange funktionieren, wie die Menschen
Vertrauen in das "Papiergeld" haben. Und nur so lange dieses Vertrauen
da ist, können die Notenbanken durch "Aufdrehen des Geldhahns"
billiges Geld produzieren. Akzeptieren die Menschen dieses Geld nicht
mehr, dann bricht dieses Kartenhaus zusammen und Vermögen, das
ja nur aus Geld besteht löst sich in Rauch auf. Netter
Nebeneffekt die USA entledigen sich ihrer Schulden. Otte beklagt
ähnlich wie W. Buffet auch, dass die Finanzderivate, mit denen
im Moment am Markt jongliert wird, nichts weiter sind als "finanzielle
Massenvernichtungswaffen". Er geht auch auf den 5.ten Kondratieff
Zyklus ein und erledigt so im Nebensatz Keyns Aussage von der Steuerung
der Märkte.
Seine Tipps: Keine Schulden mehr machen und krisensicher investieren!!
Nun hier rät er, das man sich ein paar Unzen Gold ins Depot
legt und gute Aktien von Unternehmen, die auch in der Krise noch
Geschäfte machen werden. Denn selbst nach 1929 haben die Leute
ja konsumiert und Unternehmen produziert. Dadurch ließe sich
der Impakt für sich selber etwas besser abfedern, die
Gesamtwirtschaftliche Lage jedoch nicht mehr aufhalten.
Im ganzen finde ich das Buch sehr plausibel und wenn er Recht hat, dann
erleben wir gerade den Anfang unseres wirtschaftlichen Armageddons, die
Reiter der Apokalypse sind auf der Startbahn.
top
Lena
Einhorn: Das Rätsel von Damaskus
Lena Einhorn stellt in ihrem Werk die Hypothese auf, das Jesus und
Paulus ein und die selbe Person ist. Jesus ist also nicht am Kreuz
gestorben, sondern später als Paulus missionarisch bei den
Heiden, also den Nichtjuden unterwegs gewesen. Zuerst allerdings stellt
sich die Autorin der Frage, ob es Jesus wirklich gegeben hat und
zählt die wenigen schriftlichen Beweise - außerhalb
der Bibel - auf, von denen man mit etwas interpretatorischer Freiheit
darauf schließen kann, das hier von Jesus gesprochen wird.
Sie kommt zu der Schlussfolgerung, das die Zeitgenossen Jesu nichts
oder fast gar nichts über Jesus berichten. Wobei es nicht
einer gewissen Ironie entbehrt, das gerade der jüdische
Talmud, also die gesammelte Aufzeichnung der jüdischen
mündlichen Überlieferungen, einige Hinweise auf
Personen enthält, die man mit Jesus gleich setzen kann.
Der Talmud wurde allerdings erst in seiner Gesamtheit ungefähr
500 Jahre nach Christi Geburt schriftlich festgehalten. Danach verfolgt
die Autorin den Weg Jesu gemäß der Bibel und
hinterfragt viele Zitat und versucht ihnen historische Deutungen zu
geben, so fragt sie sich, ob Jesus nicht römischer
Bürger war. Diese durften aber per Gesetz nicht gekreuzigt
werden. Diese schmachvolle Hinrichtung war nur Sklaven und
Nichtrömern vorbehalten. Pilatus will vielleicht aus diesem
Grund nicht Jesus kreuzigen, so fragt sich Lena Einhorn. Ebenfalls
erwähnt sie alle bisherigen Theorien, die beweisen sollen, das
Jesus nicht am Kreuz gestorben ist. Nachdem sie den biblischen
Lebensweg von Jesus nachgearbeitet und hinterfragt hat, vergleicht sie
Paulus und Jesus. Dann stellt sie ihre oben genannte Hypothese auf und
zählt sechs Beweise gegen und fünfzehn Beweise
für diese Hypothese auf. Jeder Beweis wird dann noch von ihr
genauer erklärt.
Ihre Beweise gegen ihre eigene Hypothese
- Jesus und Paulus sind Personen
unterschiedlichen Charakters
- Jesus ist bedeutend toleranter als Paulus
- Jesus sprach Aramäisch, Paulus
Griechisch
- Jesus wandte sich an Juden, Paulus an Nichtjuden
- Paulus schreibt sehr wenig über das
Leben Jesu
- Paulus begegnet auf seinen Reisen den
ehemaligen Jüngern ohne das diese ihn wiedererkennen.
Dann folgen diese Beweise für ihre Hypothese:
- Paulus Begeisterung für einen
Menschen, dem er nie begegnet ist und dessen Jünger er nie war.
- Paulus Bekehrung kurz nach der "Kreuzigung" Jesu
- Paulus stammt aus der gleichen Gegend wie Jesus
- Paulus ist römischer Bürger
(wie Jesus auch?)
- Beide haben ein auffallend ambivalentes
Verhältnis zu den Juden
- Paulus reist wie Jesus in jungen Jahren nach
Jerusalem
- Bei beiden klafft eine große
historische Lücke im Lebenslauf
- Beide sind unverheiratet
- Paulus hatte ein Gebrechen
- Für beide ist die Auferstehung das
zentrale Element
- Paulus ist Jerusalem gegenüber seltsam
abgeneigt, obwohl hier seine Heimatgemeinde ist.
- Beide haben Jünger
- Im Unterschied zu den Jüngern ist
Paulus handelndes Subjekt im Neuen Testament
- Die Gefangennahme und der Prozess gegen Paulus
sind nahezu eine Kopie der Geschehnisse um Jesus Gefangennahme
- Paulus verwendet auffällig oft
dieselbe Terminologie und Metaphorik wie Jesus.
Ein Buch, das spannend und unterhaltsam geschrieben ist. Wer sich
für die Ursprünge der christlichen Lehre
interessiert, wird hier ein paar neue Ideen finden, die weder bewiesen
noch widerlegt werden können. Wer Freude an
mysteriösen Theorien hat, wird seine helle Freude an diesem
Buch haben.
top
Al
Gore: Angriff auf die Vernunft
Al Gore, der mal fast nächste Präsident der USA
gewesen wäre, legt mit seinem neuen Buch eine Bestandsaufnahme
der amerikanischen Gesellschaft da. Und für ihn ist die
Gesellschaft krank, zu viele Schulden des Staates, kein Interesse am
Klimaschutz, kein Interesse an größeren
Zusammenhängen und nur noch Sensationsfernsehen anstatt
kompakter und gut recherchierter Nachrichten. Obwohl die US
Bürger viel Zeit vor dem Fernseher verbringen, sind sie auf
dem "Marktplatz der Ideen" nicht mehr ausreichend vertreten. Gore
vergleicht diesen Zustand mit dem von den
Gründervätern der USA gewünschten Zustand
und kommt zu dem Schluss, das die US Bürger sich immer mehr
davon entfernen. Gleichwohl sieht er in den US Bürgern immer
noch die Kraft und den Willen zur Erneuerung, wenn sie denn endlich
wach gerüttelt werden. So sieht Al Gore sein Buch als Weckruf
an seine Mitbürger, auch wenn Europäer und andere
dieses Buch bestimmt sehr lesenswert finden. Es gibt viele
Informationen, die mal eben so en passant erwähnt werden: Das
schon kurz nach Amtsantritt von Georg Bush Junior im Kabinett
über die Möglichkeiten eines Angriffs auf den Irak
gesprochen wurde; das die Opposition bis auf wenige Stimmen
völlig verstummt war, das die rechtskonservativen Christen vor
Lügen und Druck auf ihre politischen Gegner nicht
zurück schrecken, usw. usw. Die Beschneidung der
Freiheitsrechte: So darf der Präsident Leute zu
Terrorverdächtigen erklären, diese dann verhaften
lassen und es wird weder ein Anwalt, noch ein Richter, oder die
Angehörigen verständigt und die Verweildauer im
amerikanischen Sicherheitsverwahrsam ist zeitlich nicht begrenzt. Man
stelle sich dieses Bild einmal in Europa vor, unglaublich!
Auch den zunehmenden Einfluss der Christlichen Rechten beklagt Al Gore,
wiederum beruft er sich auf die Gründerväter, die
extra erklärten, dass keine Religion Vorzug vor einer anderen
hat, alle stehen in den Vereinigten Staaten von Amerika
gleichberechtigt da und werden begrüßt. In dieser
Aufzählung wird auch der Islam erwähnt, kann man sich
heute kaum noch vorstellen, doch die Freiheitskämpfer um
George Washington waren vielfach toleranter als ihre Erben.
Gore sieht die große Chance im Internet, die es den
Konsumenten im Gegensatz zum TV ermöglicht, sich hier wieder
aktiv einzubringen. Man könne wieder streiten und die beste
Meinung gewinnen lassen. Man merkt Gore an, das er amerikanisch
optimistisch in die Zukunft sieht und bereit ist seinen Teil dazu zu
tun.
Ein aufrüttelndes Buch, eins das einem tief in die
amerikanische Denkweise beider großen Parteien
einführt und vieles besser verstehen lässt.
Für jeden Amerikainteressierten eine große
Bereicherung in der jetzigen Diskussion.
top
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